Es war einer von jenen Tagen, an denen es nicht schnell genug gehen konnte. Von der Arbeit schnell in den Kindergarten um meine fast 4 jährige Tochter abzuholen. Abgehetzt dort  angekommen, wartete Lea schon auf mich und warf sich freudestrahlend in meine Arme. „Endlich bist du da, Mama! Ich hab schon sooooo auf dich gewartet. Können wir jetzt heim fahren? Ich bin müde!“

„Ja, mein Schatz, gleich, aber erst müssen wir noch schnell einkaufen gehen“, entgegnete ich, da ich an unseren leeren Kühlschrank dachte und Einkaufen auf meiner to-do-Liste ganz oben stand.

Also, auf ins Geschäft, Wagerl geschnappt, Kind ins Wagerl gesetzt … „Nein, Mama, ich will lieber laufen!“

„Auch gut, dann läufst du eben … Komm schnell!“

Milch, Brot, Butter, Salat, Äpfel … puh, bald alles geschafft!

„Mama, ich will Schokolade!“, schrecke ich aus meinen Gedanken hoch. „Nein, jetzt nicht, Schatz!“ „Ich will aber!“ „Schokolade gibt’s heute keine!“ „Ich will Schokolade!“

Und schon stapft ein kleines Rumpelstilzchen im Kreis … „Ich will, ich will, ich will!“

Die ersten Kunden schauen um die Ecke. Was ist denn da los?

Und als würde das noch nicht ausreichen, schmeißt sich mein Rumpelstilzchen auch noch schreiend auf den Boden. Das kann jetzt aber wohl nicht wahr sein! Das war in meinem Tagesplan so nicht vorgesehen.

Alle Leute schauen … wie wird die gestresste Mama reagieren? Wird sie schreien und das Kind hinauszerren? Wird sie es ignorieren und einfach weitergehen?

Nein, unglaublich… Die Mama legt sich selbst zum Kind auf den Boden … schreien sie jetzt im Duett? Na sowas, das Mädchen von der Reaktion der Mama total überrascht, hört auf, reicht der Mama die Hand und sagt:“ Komm Mama, wir gehen jetzt …“

Solchen oder ähnlich herausfordernden Szenen begegnet man im Alltag mit Kindern immer wieder. In diesem Fall sprechen wir von der Trotzphase, etwa ab dem 2. Lebensjahr, wenn die Kinder beginnen ihren eigenen Willen zu entdecken und diesen dann auch durchsetzen wollen.

Wichtig zu wissen:

  • Kinder in diesem Alter haben tatsächlich keine Kontrolle über ihre Gefühle. Sie werden davon überrollt.
  • Nicht nur Eltern leiden unter den Wutanfällen ihrer Kinder – die Kinder fühlen sich genauso hilflos, werden von den Trotzanfällen stark mitgenommen und brauchen Trost.
  • Unsere Kinder wollen uns mit ihren Trotzanfällen nicht ärgern.
  • Kleinkinder trotzen bei Menschen bei denen sie sich sicher fühlen.
  • Es ist wichtig, den Kindern in Alltagssituationen immer wieder zu zeigen wie gern wir sie haben.
  • Es ist gut ihnen immer wieder die Möglichkeiten zum Üben des eigenen Willens zu geben.
    (kleinere Dinge selber entscheiden, selber tun , …).
  • Bei einem Trotzanfall brauchen Kinder haltgebende Eltern, die da sind, ruhig bleiben und die Gefühle des Kindes akzeptieren.
  • Zusätzlich haben Kinder oft Angst die Liebe ihrer Eltern zu verlieren, wenn sie so „schlimm“ sind. Es ist wichtig Ihnen zu sagen, dass sie trotzdem geliebt sind.
  • Wenn ein Trotzanfall vorbei ist, geht das Kind meist zur normalen Tagesordnung über. Dabei sollten wir es unterstützen und ihm nichts nachtragen.
  • Besonders wichtig ist es sich seinen Humor zu behalten und auch etwas für sich selber zu tun!