Der Wecker zeigt 5.30 Uhr. Müde quäle ich mich aus dem Bett und schlurfe ins Bad. Ich freute mich auf eine Dusche, eine Tasse Kaffee und eine halbe Stunde Ruhe … als ich eine leises „tap, tap, tap“ höre. „Guten Morgen!“, ertönt eine nicht so leise Kinderstimme … Ah, mein Großer … wie kann man nur so früh, schon so munter und gut gelaunt sein … „Guten Morgen, Mark!“, brumme ich und schlurfe halb schlafend weiter.

„Ich geh die Lea wecken!“ Jetzt bin ich schlagartig munter. „Nein, weck deine Schwester nicht auf!“, flehe ich panisch. Um diese Zeit die 4-jährige Lea zu wecken, hat ungefähr die gleiche Auswirkung, wie einen Grizzly aus dem Winterschlaf zu holen – verheerend!

Da höre ich schon Stimmen aus dem Kinderzimmer. „Lea, meine Süße, aufstehen, …“ „Lass mich in Ruhe!“, knurrt es zurück. „Komm, ich will dich doch nur umarmen!“  Der große Kuschelbär weiß ganz genau, wie er unsere kleine Grizzlybärin ärgern kann. Schnell eile ich zur Schadensbegrenzung ins Kinderzimmer. „Komm Mark,“ flüstere ich, „wir gehen schon frühstücken und lassen die Kleine noch schlafen.“ „Aber ich hab sie doch so lieb!“, grinst er frech und krabbelt schon unter ihre Decke. Ein Brummen ertönt: „Raus aus meiner Decke – ich will das nicht!“ Wir stehen schon kurz vor dem großen Brüllen. „Ich will dich doch nur umarmen!“, setzt Mark noch eins drauf. „Geh weg!“

„Mark komm … ich glaube im Wohnzimmer ist irgendwo eine Überraschung für dich!“, versuche ich verzweifelt zu retten, was noch zu retten ist. So schnell kann ich gar nicht schauen, ist der Große aus dem Bett und aus dem Zimmer verschwunden. „Puuuh“ … ich atme völlig erschöpft auf. Streit grad noch mal rechtzeitig beendet.  „Mama …“, hör ich da eine Stimme aus dem Deckenberg, „wo ist der Mark? … Ich geh und such ihn …“

Wenn Kinder streiten, liegen bei uns Eltern oft die Nerven blank. Deshalb mischen wir uns ein, drohen, brüllen, flehen, tricksen, lenken ab und versuchen alles um wieder Ruhe herzustellen. Kann man alles machen, aber es hilft nicht viel, denn bald geht der Streit wieder von vorne los.

Was können wir daraus lernen:

  • Geschwister streiten sich gerne und häufig. Das ist normal und gehört auch zur besonderen Beziehung zwischen Geschwistern dazu.
  • Streit macht den Kindern auch Spaß.
  • Streit ist eine wichtige Lernerfahrung um zu üben, mit Aggressionen umzugehen, Bedürfnisse deutlich zu machen, Grenzen zu setzen.
  • Für Kinder ist Streit nicht so bedrohlich, sie spielen schnell wieder fröhlich miteinander.
  • Wir Eltern sollten uns nicht vorschnell einmischen – das wirkt oft nur beschwichtigend, hilft den Kindern aber nicht aus ihrem Streit etwas zu lernen.

Was können wir Eltern tun:

  • Unbedingt in gefährlichen Streitsituationen, in denen es zu Verletzungen kommen könnte, eingreifen.
  • Streitregeln mit den Kindern erarbeiten: keine Gewalt; fair bleiben; Gefühle sind erlaubt; ich kann auch einfach mal nachgeben; aufhören, wenn einer nicht mehr will; wir können einen Kompromiss schließen;  ein guter Streit endet mit einer Einigung, nicht mit Sieg;
  • Wenn Kinder wirklich keine Lösung für ihren Streit finden, kann man eine vorschlagen (einigt euch, sonst entscheide ich!)